Wie oft soll der Schüler üben?

Diese Frage hört der Lehrer regelmäßig und sicherlich kommt es ganz darauf an, welche Ziele der Schüler hat.

Das Erlernen eines Instrumentes ist eine sehr komplexe Aufgabe und der Schüler macht nur Fortschritte wenn er regelmäßig übt. Die Bewegungsabläufe gehen nur in das  Körpergedächtnis über indem man sie regelmäßg wiederholt. Wer schon einmal länger Sportraining absolviert hat, der weiß das. Dazu kommen dann noch die audiovisuellen Lerninhalte. Musik zu erlernen ist eine komplexe Aufgabe, das Lernen geschieht induktiv und ist ausserdem sehr vom Interesse des Schülers abhängig.

Das Instrument wird nicht in der Stunde beim Lehrer erlernt, sondern in der Zeit zwischen den Stunden.

Nun würde ich methodisch zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterscheiden.

Kinder brauchen die Anleitung und die Hilfe der Erwachsenen. Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Kinder begleiten und die Fortschritte verfolgen. Es ist gut ab und an sich die Übungen vorspielen zu lassen oder gleich an den Übungen teilzunehmen.
Statt vieler Erklärungen warum man üben sollte, könnte ein Konzertbesuch wahre Wunder bewirken. Kinder im Grundschulalter haben in der Regel eine Aufmerksamkeitsspanne von ca 15 Minuten und in der sollten sie fokusiert üben. Vielleicht gibt es einen bestimmten Ort an dem geübt wird und der frei von den üblichen Ablenkugen ist.
Meist ist der Lehrstoff so angelegt, dass vor allem zu Beginn junge Kinder ihn einfach bewältigen können, dennoch sollten sie jeden Tag üben. 15 Minuten konzentriertes üben reichen.

Jugendliche sollten in die Pflicht genommen werden. Haben sie schon länger Instrumentalunterricht, dann wissen sie in der Regel was zu tun ist, sie müssen es nur noch erledigen. Aber genau das ist oftmal das Problem.
Gerade in der Pupertät verändert sich so vieles und es verschieben sich die Interessen, da sollten die Eltern und die Lehrer Geduld mitbringen und es ist das Feingefühl des Lehrers gefragt, damit das Übeprogramm für diese Zeit passt.
30 Minuten pro Tag wären gut und es darf sich auch mal eine Übeeinheit verschieben, wenn sie nachgeholt wird. In dieser Zeit ist die Kommunikation Lehrer Eltern und die weise Vorraussicht wichtiger als ein starres Regelwerk.

Erwachsene haben mit anderen Problemen zu kämpfen und vor allem das Problem mit der Zeit und damit auch ein Problem das Pensum zu bewältigen. Meist haben sie, im Gegensatz zu Kindern, schon eine klare Vorstellung davon, was sie erreichen möchten.
Aber hier ist der Lehrer gefragt, damit er die richtigen Stücke auswählt und genau auf den Schüler abstimmt, damit er nicht in die Frustrationsfalle gerät: das Stück ist zu schwer und nun hat der Schüler keine Lust zu üben und wenn er nicht übt, wird es auch nicht besser.

Für Erwachsene ist es wichtig eine halbe Stunde in einen Tagesplan einzufügen und sich einen Raum zu schaffen, in dem man ungestört üben kann.
Ausserdem sollten sie natürlich das Ziel vor Augen haben, aber nicht die ganze Zeit darauf schauen.

Denken Sie sich einen Waldweg und ein Ziel in einiger Entferung. Wenn Sie nur den Punkt anschauen den Sie erreichen wollen, dann wird der Weg dahin lang und beschwerlich.
Wenn Sie allerdings die Dinge der unmittelbaren Umgebung betrachten, kleine Bewegungen wahrnehmen und nun zum Ziel schauen, dann sehen Sie den Fortschritt.

Gute Reise!

 

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"Es erfordert viel Hingabe und Arbeit, oder vielleicht sollte ich sagen (Gitarre) spielen, denn wenn man es liebt, ist es das, worauf es ankommt.
Ich habe keine Abkürzungen gefunden und habe lange gesucht."

Übersetzt nach einem Chet Atkins Zitat